HOSI Salzburg

Lesung Jan Stressenreuter

(8. Oktober 2011)

Der Autor aus Köln liest am 22.Oktober um 20.00 Uhr in der HOSI aus seinem neuen Krimi „Aus Wut“.

Geboren 1961 in Kassel, aufgewachsen bei Düsseldorf, Wohnort: Köln. Ein Hesse im Rheinland, Düsseldorfer in Köln. Die sperrige Sprache  spiegelt diese Wurzeln wider. Stressenreuter ist Fan von Margaret Atwood, John Irving, Popmusik der 70er, romantischen Hollywood-Komödien. Die Romane liefern Fragmente aus dem schwulen Alltag. Skurrile Charaktere, Situationskomik, unerwartete Perspektivenwechsel, ein konstanter Seiltanz zwischen Fakten und Fiktionen.

Der Roman Mit seinen Augen konfrontiert uns mit den verklemmt repressiven 50 Jahren. Eine aufregende, spannend berührende Zeitreise: Der schwule Erzähler Felix entdeckt nach dem Tod seiner Mutter das Schicksal seines schwulen Vaters. Verdrängte Geschichte wird neu aufgerollt.

Aus Rache: Hauptkommissarin Maria Plasberg, als Quotenfrau der besonderer Liebling (?) männlicher Kollegen, fordert Verstärkung: Sie bekommt den offen schwulen Torsten Brinkhoff zur Seite gestellt. Die ruppige, normal homophobe Polizistin mit dem Geschmack einer Vogelscheuche, als allein erziehende Mutter permanent überfordert, und der gut aussehende, jedoch schüchterne und stotternde Polizist, der bei der Suche nach Prinz Charming oder Mr. Right zu wählerisch ist, sind für einander der absolute (Alp)Traum. Von Kollegen gemieden, bauen sie nach und nach Vorurteile und Aversionen ab. Ein todkranker Mann, wird bestialisch ermordet. Kurz vor einer möglichen Lösung geschehen weiterere Morde. Die Ursachen liegen in der Vergangenheit.

Aus Angst: Plasberg & Brinkhoff bilden nach provisorischem (?) Waffenstillstand ein effizientes Team: Der Brand in der Bäckerei in der Kölner Innenstadt und 5 verkohlte Leichen stellen die Ermittler vor Rätsel. Ehrenmord, der Brand als Ablenkungsmanöver? 2 türkische Brüder sind im Visier der Ermittler? Aber auch die in ärmlichen Verhältnissen lebende Familie der Inhaberin Anna Cordes hat einiges zu verbergen. Annas Bruder Kevin kämpft um Anerkennung: Jugendbanden, Arbeitslosigkeit, Alkohol, Wut bestimmen den Alltag. Da werden plötzlich Plasbergs Kinder bedroht, Torsten schreitet heldenhaft ein.

Am 22.Oktober liest der Autor in Salzburg aus seinem neuen Krimi Aus Wut, dem letzten Band der Trilogie. In Stressenreuters multikulturellem Köln werden die Opfer besonders grausam ermordet: Auf ihrer Stirn klebt immer ein Zettel: Niemand kann seiner Strafe entkommen. Ist der Täter ein Serienkiller? Zwischen den Opfern scheint es keine Gemeinsamkeiten zu geben.

Die Ermittler tappen lange im Dunkel und begehen zahlreiche Fehler, die dem traumatisierten Thorsten und seinem Partner teuer zu stehen kommen. Wieder einmal liegt der Schlüssel in der Vergangenheit.

Ein vertraulicher Bericht über einen Jahre zurückliegenden Überfall, an dem alle Opfer zufällig involviert sind, unterbricht den chronologisch Ablauf der Ereignisse. So schafft der Autor Spannung nach dem bewährten Rezept von Meister Alfred Hitchcock. Er lässt seine Leser früh in die Geschichte hinein, sodass sie wesentlich mehr wissen als die Ermittler.

Der Text ist gut strukturiert, lebendig, authentisch, präzise, spannend: Thriller, Ermittlungskrimi, Whodunit. Ein multikulturelles Köln jenseits von Klischees wie Kölsch und Karneval wird unterhaltsam wie spannend evoziert.

Die Romane sind alle im Berliner Querverlag erschienen.
Love to Love You, Baby (2002)
Ihn halten, wenn er fällt (2004)
Und dann der Himmel (2006)
Mit seinen Augen (2008)
Aus Rache (2009)
Aus Angst (2010)
Beiträge in „MachoMan.bln“ in Hiebe und Triebe 2 (2002), „Bärenland“ in Der Bärenkult (2004), „Fastfood, türkisch“ in Hiebe und Triebe 3 (2004), „Figgn, Alda!“ in Hiebe und Triebe 4 (2006), „Skinbottom“ in Hiebe und Triebe 5 (2008), „Der Fluch der Bandscheibe“ in F*CK! – Wenn Sex daneben geht (2009).

Fotos: Jörg Michaelis, www.querverlag.de

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