HOSI Salzburg

Gasteiner Firmunterricht

(18. Juni 2018)

Hier unsere unsere heutige Presseaussendung anlässlich der Aufdeckungen aus dem Gasteiner Firmunterricht: 

Homophobie im Gasteiner Firmunterricht: Stellungnahme der HOSI Salzburg

Letzten Donnerstag berichtete der Standard über Unterlagen aus dem Firmunterricht, in denen Homosexualität neben Mord als eine der vier „zum Himmel schreienede Sünden“ bezeichnet wird. Die Homosexuellen Initiative (HOSI) Salzburg kritisierte dies scharf. Nachdem sich Pfarrer Hangler im Gespräch mit Salzburg heute entschuldigte, halten wir fest: Die Lage hat sich nicht beruhigt.

Homophobie darf keine „Diskussionsgrundlage“ im Firmunterricht sein

Von Seiten der katholischen Kirche werden die Unterlagen aus dem Firmunterricht nun als „Diskussionsgrundlage“ abgetan. Tatsächlich blieb die Botschaft, dass Homosexualität Sünde sei, allerdings unkommentiert stehen. Das ist Gift für junge Lesben, Schwule und Bisexuelle.

„Als ich mich als junge Frau erstmalig mit meinem Lesbisch-sein auseinandergesetzt habe, war es für mich nicht einfach, meine Sexualität mit meinem Glauben zu vereinbaren“, erklärt HOSI-Salzburg-Vorstandsmitglied Doris Posch. „Ich war in großem Zwiespalt. Einerseits wurde ich katholisch erzogen und mein Glaube war mir wichtig. Anderseits konnte ich meine Sexualität nicht leugnen oder unterdrücken. Wir wissen aus unserer Arbeit, dass es immer noch junge Lesben, Schwule und Bisexuelle gibt, die diese Erfahrung machen müssen. Umso bedauerlicher ist es, wenn sie im Firmunterricht einen Zettel vorgelegt bekommen, auf dem Homosexualität mit Pädophilie vermischt und mit vorsätzlichem Mord gleichgesetzt wird. Das ist schädlich für Kinder und Jugendliche und darf keine Diskussionsgrundlage im Firmunterricht sein! Was gibt es da zu diskutieren? Stattdessen sollte es eine innerkirchliche Diskussionen über den Umgang mit Homosexualität und mit Homophobie in den eigenen Reihen geben. Dieser Diskussion würden wir uns gerne stellen.“

Schönborn schweigt, Lackner bagatellisiert

Ganz leise wird die katholische Führungsebene, wenn es darum geht, sich öffentlich zu entschuldigen. Kardinal Schönborn äußerte sich bisher in keinem Wort zu den Vorfällen im Gasteiner Firmunterricht. Bischof Franz Lackner stärkt seinem Mitarbeiter den Rücken.

Die Ereignisse im Gasteiner Tal müssen eine innerkirchliche Debatte zur Folge haben. Auch die katholische Kirche ist vielfältig. Lesben, Schwule und Bisexuelle sind Teil der katholischen Gemeinschaft. Gläubige Katholik*innen und Mitarbeiter*innen der katholischen Kirche sind mitunter lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder intergeschlechtlich. Unsere Hoffnung liegt in all jenen Gläubigen, die sich gegen Intoleranz und Diskriminierung stellen. In den Führungsebenen der katholischen Kirche sind andere Stimmen leider lauter.

Abwertung von Regenbogenfamilien

Homophobie ist in der katholischen Kirche ein strukturelles Thema, wie die jüngsten Aussagen von Papst Franziskus zeigen. Bei einer Rede im Vatikan letzten Samstag erklärte er, dass das Familienbild Gottes eines zwischen Mann und Frau sei und wertete damit andere Familienformen ab. Ein Papst, der es schon allein aufgrund seines Jobprofils ausschließt, in die Elternrolle zu schlüpfen und Verantwortung für Kinder zu übernehmen, kritisiert also gleichgeschlechtliche Paare, die genau diese Verantwortung auf sich nehmen. Das ist nicht nur diskriminierend und unsensibel, sondern zutiefst realitätsfern. Denn Regenbogenfamilien sind in Österreich und in vielen Ländern der Welt gelebte Realität. Es ist grobes Unrecht, Kindern, die in Regenbogenfamilien aufwachsen und Geborgenheit finden, die Gleichwertigkeit ihrer Familienform abzusprechen.

Andere Artikel

|