HOSI Salzburg

„Diese Rotzlöffel…“

(1. Dezember 2015)

Überlegungen zum Vandalismus an der HOSI Salzburg

Unüberlegte Handlungen sind der Pubertät eigen, sie demonstrieren die Abkehr der Heranwachsenden von gesellschaftlichen Normen und Regeln, die für das geregelte und gemeinsam vereinbarte Zusammenleben Gültigkeit besitzen. Er/Sie* ist in der Phase seines/ihres* Lebens, wo Grenzen ausgelotet und überschritten werden, um die Folgen und Reaktionen seines/ihres* Handelns auszutesten. Dies stellt kein Novum dar, sondern gibt es, seit wir Maßstäbe für unser Zusammenleben vereinbart haben.

Darin haben wir uns, resp. die Gesellschaft, darauf geeinigt, dass in unserem demokratisch verfassten und dem Gedanken der Aufklärung und des Humanismus verpflichteten Rechtsstaat, Gewalt jedweder Form abzulehnen ist. Ganz egal, ob es sich dabei um körperliche Gewalt, seelische Gewalt, soziale Gewalt oder Gewalt, die gegen Minderheiten gerichtet ist, handelt. Denn Gewalt stellt keine Lösung dar, sie schafft ein viel größeres Problem, nämlich Misstrauen und Argwohn und als Resultat Gegengewalt– auf beiden Seiten.

Obwohl „die Tunten und Lesben“ durch die Schmierereien auf unserem Vereinsgebäude sich zum Teufel scheren sollen, wird das Problem mit „den Tunten“ dadurch nicht gelöst. Die Ankündigung der Gefährdung von Leib und Leben – anders ist ein Treffen mit dem Teufel nicht zu bewerkstelligen – einer bestimmten Personengruppe durch eine andere ist in unserem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit die Ankündigung von Mord und die diesen Gewaltakt Ausführenden sind Verbrecher*innen. Wer ermordet werden soll, ist klar, nämlich die Tunten und Lesben. Wie viele von ihnen, ist ebenso offensichtlich, nämlich alle. Und vor dem Hintergrund, dass angenommen wird, dass ca. 3% der Bevölkerung homosexuell veranlagt ist, können wir bei einer Bevölkerungszahl von rund 8.540.000 Menschen in Österreich von über 256.000 Toten ausgehen – also über einer viertel Million Menschen.

Aber ist diese Zahl tatsächlich relevant? Sie ist es nicht. Allein die Tatsache, dass einem Menschen Gewalt angetan werden soll, ist verabscheuungswürdig, beraubt ihn aller Menschenrechte und ist allein schon deshalb abzulehnen.

Obwohl das Geschmiere an der Hausfassade einen gewaltsamen Eingriff in das Vereinsleben darstellt, liegt es an uns, diesem Vandalismus keinen Platz zu geben, sich ihm entgegenzustellen, uns davon nicht beeindrucken zu lassen, unser Leben weiter zu führen und Haltung zu zeigen. Wir lassen uns nicht von ein paar Rotzlöffeln, die glauben mit ihren Kritzeleien die Welt vor uns retten zu müssen, beeindrucken oder gar unterdrücken. Dass sie der vernünftigen Diskussion oder Disputation nicht mächtig sind, haben sie durch ihre im Schutz der Dunkelheit ausgeführte Darbietung gezeigt und bewiesen, diese Rotzlöffel…

PS: Wir danken allen ehrenamtlichen Helfer*innen, die ihre kostbare Freizeit zur Beseitigung dieser Schmirage zur Verfügung stellen. Vielen herzlichen Dank Euch!

 

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