HOSI Salzburg

NEU: Schule der Vielfalt

(14. November 2012)

Am 4. Salzburger Gender Day im Parkhotel Brunauer wurde heute, Mittwoch, 14. November, ein neuer Leitfaden präsentiert, der Salzburger Schulen wichtige und aktuelle Informationen zum Thema „Sexuelle Orientierung“ zur Verfügung stellt. Der Themenkreis Homophobie und gleichgeschlechtliche Beziehungen ist in diesem Leitfaden unter dem Motto „Schule der Vielfalt“ in den Kontext der Chancengleichheit gestellt. Die ausgehend von den EU-Antidiskriminierungsrichtlinien erlassenen Bundes- und Landesgesetze, zum Beispiel das Salzburger Gleichbehandlungsgesetz, legen fest, dass niemand auf Grund von Geschlecht, Alter, Behinderung, ethnischer Herkunft, Religion, Weltanschauung oder der sexuellen Orientierung diskriminiert oder belästigt werden darf.

Beschluss des SchülerInnenparlaments

Das Salzburger Schüler/innen Parlament hatte im Juni 2011 im Antrag 10 „Fight Homophobia!“ die verstärkte Behandlung des Themas „Homosexualität“ im Unterricht und verstärkte Bewusstseinsarbeit an Schulen durch Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie etwa der Homosexuellen Initiative – HOSI Salzburg gefordert. Diesem Wunsch der Schülerinnen und Schüler werde mit der Erstellung des Leitfadens entsprochen.Experten-Infos und erprobte Unterrichtsmaterialien.

Im 40-seitigen Leitfaden „Schule der Vielfalt, Modul 1: Sexuelle Orientierung“ finden Lehrende ein Kurzkonzept zur „Schule der Vielfalt“ mit konkreten Impulsen zur Verankerung dieser Ziele und Leitsätze im Schulalltag im Lauf eines Schuljahres. In Form einer „Charta der Vielfalt“ wurden Grundsätze und Ziele formuliert, die gegenseitige Wertschätzung und Akzeptanz fördern sollen.

Schulen, die diese Charta unterzeichnen, verpflichten sich,

  • eine Schulkultur zu pflegen, die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung jeder und jedes Einzelnen geprägt ist;
  • ihre Lehrmethoden zu überprüfen und sicherzustellen, dass diese den vielfältigen Fähigkeiten und Talenten aller Schüler und Schülerinnen gerecht werden, und
  • die Vielfalt der Gesellschaft innerhalb und außerhalb der Schule anzuerkennen, die darin liegenden Potenziale wertzuschätzen und zum Vorteil der Schule einzusetzen.

Neben Experten-Infos zum Themenkreis Homosexualität/Homophobie sind im Leitfaden erprobte Unterrichtsmaterialien abgedruckt, die in verschiedenen Fächern und im Projektunterricht zum Einsatz kommen können.

Angebote von Referent/innen, die an Salzburger Schulen Workshops und Projekttage gestalten können, sowie Kontaktadressen und Hinweise auf weitere Informationen im Internet runden den Leitfaden ab.

Der Leitfaden, der durch die von Mag. Paul Arzt, Stabsstelle für Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und Frauenförderung des Landes Salzburg, koordinierte Arbeitsgruppe erstellt wurde, kann kostenlos bei der Stabsstelle für Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und Frauenförderung (Tel.: 0662/8042-4041, Mail: frauen@salzburg.gv.at) oder bei der Homosexuellen Initiative – HOSI Salzburg (Tel.: 0662/435927, Mail: schule@hosi.or.at ) bestellt werden und steht auch im Internet unter www.salzburg.gv.at/frauen sowie http://www.hosi.or.at/schule zum Download zur Verfügung.

Burgstaller: „Wert von Vielfalt erkennen“

„Wer den Wert von Vielfalt erkannt hat, wird auch aktiv gegen Diskriminierungen auftreten, gleichgültig wer betroffen ist oder aus welchem Grund“, sagte heute Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller, die als Präsidentin des Landesschulrates einem Antrag des Salzburger Schüler/innenparlaments Folge leistete.

Lindner: Verständnis bei SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern fördern

„Durch unsere Erfahrungen bei Schulworkshops haben wir uns umfangreiches Knowhow aufgebaut. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Stabsstelle für Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und Frauenfragen, dem Landesschulrat, der Aidshilfe und dem Sonderauftrag Suizidprävention der Christian-Doppler-Klinik können wir unsere Expertise nun auch in diesem Projekt einbringen. Es soll Salzburgs Schulen ermöglichen, das dringend notwendige Verständnis für homo- und bisexuelle Lebensweisen bei Schüler/innen, Lehrpersonen und Eltern zu fördern. Nur so können wir Homophobie einen Riegel vorschieben“, ergänzte der Obmann der HOSI Salzburg, Mag. Josef Lindner.

Plöderl: Suizidprävention & Aktiver Beitrag zur psychischen Gesundheit

„Das Programm Schule der Vielfalt soll die Schulen für homo- und bisexuelle Schüler/innen nicht nur sicherer machen und so auch suizidpräventiv wirken, sondern auch zu einem Ort, an dem sie ihre Fähigkeiten voll entfalten können, ganz im Sinne des Diversity-Gedankens,“ betonte Mag. Dr. Martin Plöderl (Sonderauftrag Suizidprävention, Universitätsklinikum Christian Doppler Klinik), der in der Redaktion des Leitfadens mitgearbeitet hat, bei der Präsentation. Der Umgang mit Vielfalt entwickle sich immer mehr zu einer wichtigen Lebenskompetenz. Das Projekt „Schule der Vielfalt“ sei damit auch als aktiver Beitrag zur psychischen Gesundheitsförderung anzusehen.

Friedrich: Vorurteile und diskriminierende Haltungen thematisieren

Mag. Florian Friedrich (Koordinator der Schulworkshops der HOSI Salzburg und Mitarbeiter der Aidshilfe Salzburg) fasste seine Erfahrungen aus zahlreichen Schulworkshops zusammen. „Gerade schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche haben es schwer. Dies beweist nicht nur eine erhöhte Selbstmordrate, sondern auch der Alltag in der Schule und im Freundeskreis. Denn oft kommt es vor, dass Schimpfwörter es den Schülerinnen und Schülern schwer machen, sich zu outen. Zusätzlich kann es auch zu familiärer Gewalt und Diskriminierungen durch die eigenen Familienangehörigen kommen. Aus den genannten Gründen haben homo- und bisexuelle Jugendliche oft das Gefühl, sie wären alleine und es gäbe keinen anderen Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen. Aufgrund von Diskriminierungen wollen sie sich lange Zeit keinem anderen Menschen anvertrauen und fühlen sich einsam und verlassen. Der neue Leitfaden kann dazu beitragen, Impulse zu setzen, eigene Vorurteile und diskriminierende Haltungen zu erkennen und sich mit der eigenen Einstellung zu Homo- und Bisexualität auseinander zu setzen.“

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