HOSI Salzburg

Uraufführung von Christoph Klimkes

(8. Dezember 2005)

In der ehemaligen Elisabeth-Bühne wurde Christoph Klimkes „Oh Wunder! Schöne neue Welt“ uraufgeführt. Klimke, bekannt durch den AIDS-Text „Der Test oder: Chronik einer veruntreuten Seele“ und seine Essays über Lorca und Pasolini, arbeitet und mit dem Choreographen Johann Kresnik zusammen. Diese Erfahrungen prägen auch sein neues Stück, in dem er die Utopie von Aldous Huxleys „Brave New World“ mit der Kritik der Konsumgesellschaft aus der Perspektive von Pier Paolo Pasolini konfrontiert. 25 Jahre nach dem Anschlag auf das „World-Trade Center“ regiert ein Konzern diese Welt, in der wilde Untermenschen wie Sklaven gehalten werden. Während sich die scheinbaren Protagonisten in Machtspiele verlieren, nehmen diese ihren Körper noch als Ort von Sinnlichkeit und Lust wahr. Die befriedigen auch Wünsche, Lüste und Begierden ihre Peiniger und Unterdrücker. In dieser schönen Welt regieren auch neue 10 Gebote, ein Manifest löst das andere ab, während sich die jeweiligen Machthaber selbst auslöschen und vernichten.

Für sexuelle Identitäten und Orientierungen ist kein Platz. Lust und Freude werden durch hemmungslosen Konsum erreicht und allmählich ersetzt. Die Gestalten haben längst ihre Sprache verloren und Leere durch Trivialitäten und Gemeinplätze ersetzt.

Regisseur Hannes Hametner sucht konsequent einen Weg zwischen Bewegung, Tanz und Theater. Interviews auf Video schaffen stufenweise den Einstieg in die textliche Wirklichkeit. Der ausdrucksstarke Bühnenraum von Simon Schneider entsteht vor den Augen der Zuschauer, eine eindringliche Bühnenmusik verbindet die essayistischen Textfragmente. Die Produktion entstand in Zusammenarbeit mit der Experimental Academy of Dance. Schauspieler wie Tänzer setzen auf hohem Niveau einen Kampf wunderschöner Körper gegen die Vereinnahmung durch ein allmächtiges System eindrucksvoll in Szene. Es sind die intensiven erotischen Momente, die diesem spannenden Theaterabend die stärksten Augenblicke liefern. Zitierte Sequenzen aus Filmen von Pasolini zeigen, wie stark die Visionen des großen italienschen Regisseurs heute Wirklichkeit sind.

Peter Jobst
www.schauspielhaus-salzburg.at

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